03/2015 – Wien – Die Sammlung und Auswertung von Mobilfunk- und sensorikgesteuerten Echtzeitdaten aus unterschiedlichsten Technologien wird für die StadtplanerInnen des 21. Jahrhunderts immer wertvoller. Seitdem der Begriff „Smart City“ geprägt wird, muss zugleich auch an die Herausforderungen im Bezug mit sensiblen Daten von und für die Bevölkerung gedacht werden. Doch – sind sich die städtischen Verwaltungen und die agierenden Unternehmen sicher, dass die wertvollen Daten nicht in falsche Hände geraten?

Zweifelsohne sind sogenannte „Big Data“-Analysen für städtische Planungen im öffentlichen Raum von großer Bedeutung. Denn, nicht nur Kosten können durch diese Analysemethode eingespart werden – es entsteht zugleich auch ein Herantasten an neue Methoden, um neue Synergieeffekte zu schaffen, die in bisherigen planungsrelevanten Prozessen nicht stattgefunden haben. Aber natürlich ist die „Spionage der sensiblen Daten“ nicht weit entfernt, weshalb die erlangte „Datenmacht“ schnell einmal in falsche Hände geraten kann. Daher ist die berechtigte Frage, ob Unternehmen die Datensicherheit gewähren können oder im Umgang mit diesen nach moralischen Vorstellungen agieren, äußerst angebracht.

jäger und sammler

Sie liegen auf der Straße, am Wegrand, in Wohnhäusern und an vielen Orten, wo man sie nicht vermuten würde, jedoch stets bereit einfach aufgenommen zu werden – die Daten. Aber es gibt auch andere Methoden um an die Pracht dieses Konstrukts bestehend aus Zahlen und Blöcken zu gelangen – man wendet geschickte Taktiken an um sein Gegenüber zu täuschen um dann zuzuschlagen, wenn man es am wenigsten erwartet.

Unternehmen wie IBM, Cisco, Panasonic, Siemens und Intel waren die ersten, die sich die Unwissenheit über diese Thematik zu Nutze gemacht haben und investierten weltweit hunderte von Milliarden Euro in die Ausstattung moderner Technologien für die Städte der Zukunft. Installiert als Kommunikationstechnologie, ist es für Unternehmen sehr einfach, an sogenannte „Big Data“ heranzukommen.

vielseitige anwendungsbereiche

Bei den einzelnen Komponenten, die durch ein kluges Datenmanagement profitieren können, handelt es sich um pragmatische Anwendungsbereiche wie die Verkehrsplanung, eine flexible Straßenbeleuchtung, flächendeckende Breitbandtechnik – auch für entlegene Orte, einem effizienten Abwassermanagement sowie interaktiven Lösungen einer Patientenbetreuung aus der Praxis via Videokonferenz. Wie man sieht, sind der Technologie und deren Anwendungsbereiche kaum Grenzen gesetzt, was den Gedanken an eine fortschrittliche Gesellschaft, die sich immer mehr auf automatisierte Technologien eingestellt hat, schüren sollte.

der hilferuf wird lauter

Dadurch, dass die Stadt nach einer sehr langen Zeit die ländlichen Regionen überholt und mehr Menschen beherbergt, steigt demzufolge auch der Bedarf an Ressourcen, die eine Stadt für die täglichen Agenden benötigt. Aus dem Chaos und dem „Wuchern“ einer Stadt, soll eine effiziente, auf einem „Nullverbrauch“ eingestellte Stadt werden, die wenig Spielraum für unkontrollierte Systemausfälle bietet – gerade diese, würden das Gefüge einer Stadt gefährlich ins Wanken bringen.

So oder so ähnlich nehmen es sich viele Städte, darunter auch Wien, als selbstverpflichtende Aufgabe, ihre Stadt als Vorreiter in dieser Entwicklung bis zur Machbarkeitsgrenze zu führen. Und hier, so sind sich viele PlanerInnen sowie StadtforscherInnen einig, gehören die Anwendungsmöglichkeiten im Bereich der Digitalisierung im hohen Maße dazu, mit der Folge, dass die allgemeine Vernetzung unterschiedlichster Technologien am Ende des Tages Früchte tragen wird.

big data als chefsache

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Es gibt schier unendlich viele Anwendungsbereiche doch warum sollten sich nicht auch andere Problembereiche der Stadtpolitik, durch den Einsatz von automatisierten Computerdaten, lösen lassen?

Die Steuerung von Wanderungsbewegungen etwa für den Schutz vor Gentrifizierung, die Prävention gegen Kriminalität oder die Entschärfung sozialer Brennpunkte, dies sind einige, mögliche Einsatzbereiche von „Big Data“ um die Sicherheit in einer Stadt zu erhöhen. In diesen hohen Sphären der Entscheidungsträger, wo alles bestens vernetzt und langfristig organisiert wird, gehen städtische Verwaltungen und IT-Konzerne Hand in Hand, um die Stadt von morgen nach bestmöglichem Know-How und Gewissen zu lenken und deren Ressourcen nach klimapolitisch relevanten Agenden einzusetzen und gleichzeitig zu schonen.

kritische stimmen

Doch wie sieht die Kehrseite der Medaille aus? Big Data steht nicht nur für die Chancen und positiven Einflüsse auf eine Stadt, sondern auch für das Risiko des gezielten Missbrauchs. Das Zusammenführen von Daten ohne eine legitimierte Kontrolle, kann eine Form der Ausbeutung und der Übernahme des Machtinstruments „Daten“ bedeuten, und eine große, potentielle Gefahr ungeahnten Ausmaßes darstellen. Das große Problem besteht darin, wenn große Datenmengen zusammengeführt werden und sich dadurch ein Konstrukt ergibt, in dem ein unbekanntes Individuum zu einer identifizierbaren Person wird. Ein Beispiel:

Medizinische Forschungen ergeben, dass linkshändige Frauen an einem höheren Risiko leiden an Brustkrebs zu erkranken, als rechtshändige. Hierbei handelt es sich um keine personenbezogenen Daten. Mit diesem Vorwissen starten Krankenversicherungen eine Umfrage und fragen weibliche Versicherungsnehmerinnen, ob sie links- oder rechtshändig sind. Diese Information ist dann sehr wohl personenbezogen und kann die Polizze entscheidend verändern ohne, dass die VersicherungsnehmerInnen Kenntnis davon haben. Hand aufs Herz, wie oft hast Du die Frage bereits beantwortet, ob Du links- oder rechtshändig bist?

regulierung vs. misstrauen

Um die Chancen von Big Data nutzen zu können, ist ein Regelrahmen notwendig. Nur dann kann ein optimaler Nährboden für eine wirtschaftliche und zugleich gesellschaftliche Akzeptanz entstehen. Denn, Skandale um Datenmissbrauch, sowohl von Geheimdiensten als auch von Unternehmen haben das Misstrauen in der Bevölkerung spürbar gemacht. Dieses Misstrauen gilt es aus der Welt zu schaffen um mögliche Innovationseinbußen zu vermeiden und die Augen vor neuen Technologien nicht zu verschließen.

partizipation als lösung?

Die Einbeziehung der Bevölkerung in städtebauliche Projekte ist ein immer wichtiger werdender Bestandteil im Planungs-Baukasten – Stichwort Partizipation. Hier lässt es sich doch wunderbar vereinbaren, künftige Projekte mit dem Wissen und der Zustimmung der ansässigen Bevölkerung zu realisieren, indem man sich das Vertrauen und die Akzeptanz durch Informationsvergabe und Offenbarung der Datengrundlage einholt. Das Misstrauen in der Bevölkerung kann durch die Miteinbeziehung in den Planungsprozess abgeschafft werden. Denn, wenn Unternehmen sowie städtische Verwaltungen deklarieren, welche Daten ausgewertet werden, wo sie herkommen und wie sie letzten Endes den BürgerInnen zu Gute kommen, wird die Blockade zwischen „Big Data“ und der Skepsis in der Bevölkerung ein Stückweit gelöst.

mit vorsicht genießen

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„Big Data“ – smarte Gefahr oder sinnvolles Instrument? Die Speicherung, Analyse und Verwendung von Daten stellt eine wirtschaftliche Chance für städtische Verwaltungen und Unternehmen dar. Künftige Herausforderungen können mit Hilfe sensorengesteuerter Technologien effizienter und vor allem kontrollierter gemeistert werden. Wichtig ist jedoch, dass die Unmengen an Daten gefiltert werden und gezielt zum Einsatz kommen. Es ist aber besonders wichtig, dass mit Daten ethisch umgegangen werden und sichergestellt wird, dass Dritte nicht unerlaubterweise an dieses Gut gelangen und diese für moralisch verwerfliche Anwendungsbereiche nutzen.

„Big Data“ als Instrument für eine Smart City? Ja. Jedoch muss sichergestellt werden, dass die Datensicherheit stets gewährleistet wird und Unternehmen die Macht nicht missbrauchen.

denk weiter.