01/2015 – Wien/Calgary – Wie, du weisst nicht was das ist? Dann hast du wohl keine Angst vor Kanaldeckel. In Calgary haben sich kanadische StadtplanerInnen etwas einfallen lassen, um Menschen die Angst zu nehmen über Kanaldeckel, sowie -gitter zu steigen. Aber nicht nur die Angst wird hier bekämpft, die Rutschgefahr bei widrigen Wetterverhältnissen wird ebenso minimiert.

Kanal Calgary

Kanal / Calgary

„Kleine Maßnahme, große Wirkung“ – besser kann ich das in Calgary bei meinem dreiwöchigen Aufenthalt in Kanada Gesehene nicht beschreiben. Diese „metal footprints“, sind eine raffinierte Erfindung kanadischer StadtplanerInnen, um Menschen das Angstgefühl zu nehmen, auf einen Kanaldeckel oder Lüftungsgitter zu steigen. Ich denke wir kennen alle dieses Gefühl der Unsicherheit, ob der Deckel unser bescheidenes Gewicht aushält. Lande ich fünf Meter tief unten im Schacht, sieht man mir die Angst an, werde ich beobachtet wie ich zaghaft und mit zittrigen Knien über den Deckel steige?

Das sind alles Fragen die man sich stellt, wenn man kurz davor ist den Deckel oder das Gitter zu betreten. Zugegebenermaßen gibt es auch hier Menschen, denen nicht einmal auffällt, dass vor ihren Füßen „unsicher scheinende Kanaldeckel“ positioniert sind. Die stört es dann wahrscheinlich auch nicht, wenn´s „plumps“ macht. Hier wird offensichtlich mit der Psyche der Menschen gearbeitet, denn wie sonst ist es zu erklären, dass ich ohne weitere Bedenken auf diese Fußabdrücke gestiegen bin und mir keiner Angst bewusst war. Dieser Eindruck ist mir auch bei anderen Passanten aufgefallen. Niemand hat sich ernsthaft Sorgen gemacht, was einem passieren könnte – den „metal footprints“ sei Dank.

eine anti-rutsch-funktion gibt´s auch

Jedoch gibt es auch noch einen zweiten, meiner Meinung nach, genauso wichtigen Vorteil durch diese metalernen Fußabdrücke. Bei genauerem Hinsehen wird klar, dass sich parallel entgegengesetzte Schlieren, sowie Zacken auf den Abdrücken befinden. Dies soll verhindern, dass man bei widrigen Wetterbedingungen, die nicht untypisch für Kanada sind, auf den Lüftungsgittern ausrutscht. Ich denke wir wissen alle, wie sich Schnee, Eis und Kälte mit Metal am Boden vertragen. Auch in diesem Fall möchte man lieber nicht auf diese Gegenstände treten. Alle anderen, die etwas Neues ausprobieren wollen und ihren Kick suchen sind herzlich dazu eingeladen mit viel Schwung auf die Deckel zu treten – p.s.: ihr habt das nicht von mir.

großes forschungsfeld

Auch die Wissenschaft hat sich diesem Thema gewidmet und es scheint, als befänden wir uns in der Startphase dieses Forschungsfelds. Der kanadische Stadtplaner, Buchautor und Blogger Charles Montgomery setzt sich in seinem Buch „Happy City“ mit sanften Einflüssen der Stadtplanung auseinander. Hier geht er unter anderem auf die Auseinandersetzung der Stadtplanenden mit dem Problem der fehlenden Aufmerksamkeit und Wertschätung der Bevölkerung hinsichtlich stadtplanerischer Maßnahmen ein. Es geht nicht nur darum durch Monumente, sich selbst überragende Wolkenkratzer oder Phallussymbole der Architektur auf sich aufmerksam zu machen, sondern den Alltag durch planerische Maßnahmen zu erleichtern, und sich somit den Respekt der Bevölkerung zu verdienen.

facelift für die wiener kanaldeckel und gitter

Gitter / Wien

Gitter / Wien

Wie am Foto links zu sehen ist, gibt es genügend Orte, an denen diese Lösung für Gitter oder Kanaldeckel Sinn machen würden. Besonders bei Stationen von öffentlichen Verkehrsmitteln, bei denen täglich tausende Menschen vorbeigehen, sollte man über ein facelift nachdenken. Das Foto, aufgenommen bei der U6 Station Burggasse/Stadthalle, zeigt ein metallernes Gitter, das mit nassen Schuhen besonders rutschig ist. Also lieber Wiener Stadtplanende: Gebt unseren Kanaldeckeln und Lüftungsgittern eine Chance zur Veränderung und rüstet diese mit metalernen Fußabdrücken aus. Somit würdet ihr dafür sorgen das selbst Kanal-o-phobic´s im Winter sorglos durch die Straßen Wiens schlendern können.

denk weiter.