10/2015 – Wien/Novi Sad/Brisbane – Die klassische Funktion einer Brücke ist in seiner fundamentalen Rolle enden wollend spannend. Man geht, fährt, radelt, galoppiert, schleicht, kriecht von der einen auf die andere Seite. Zugegebenermaßen fällt es schwer, die Funktion einer Brücke so ins Rampenlicht zu rücken, dass man das Gefühl erhält, es gehe hierbei um mehr als nur darum von A nach B zu gelangen. Dennoch gibt es Brücken, die mehr zu bieten haben – zumindest wenn man diese im Kontext einer smarten Stadt betrachten möchte.

Wenn man BrückenarchitektInnen fragt, haben die selbstredend eine andere Meinung zu diesem Thema – und das ist auch gut so. Nicht wenige lassen sich zu einem Wettrennen um die größten, schönsten, spannendsten Projekte verleiten und vergessen dabei, dass auch Brücken im Zeitalter der Energiegewinnung aus erneuerbarer Quellen ihren Beitrag zur Reduktion des Ressourcenverbrauchs leisten können. Im Folgenden wird auf besagte Projekte eingegangen, die zu verstehen geben möchten, dass sie zu Höherem bestimmt sind.

brücke mit anti-rutsch-funktion

Novi Sads visionäre Brücke (C) 021.rs

 

Rutschige Flächen machen es uns im Winter nicht sonderlich leicht. Metallflächen die oft vereist sind bringen ein enormes Rutschpotential mit sich, was vor allem ältere Generationen vor große Komplikationen stellt. Klassischerweise kann man mit Kies, Sand, Asche oder auch den berühmten kleinen Steinchen Abhilfe schaffen und somit verhindern, dass es zu gröberen Verletzungen kommt. In der serbischen Stadt Novi Sad ist man hier bereits einen Schritt weiter. Glaubt man den Plänen der Stadtverwaltung, die der serbischen Redaktion 021 vorliegen, plant man den Bau einer Fußgänger- und Radfahrerbrücke über eine der berühmtesten Buchten der Stadt.

sonnenenergie gegen eisglatte flächen

Die architektonisch anmutende Konstruktion besticht gewiss durch ihr Design – doch ist es die Zusatzfunktion, die sie zu etwas Besonderem macht. Wie in der Graphik zu sehen ist, werden an der Oberseite der Überdachung speziell angefertigte Solarpanele angebracht. Die daraus gewonnene Energie wird dazu verwendet, die Laufflächen der Brücke mit ausreichend Wärme zu beheizen, sodass diese im Winter nicht einfrieren und zur Rutschgefahr werden können.

Die Gegend erfreut sich bei den BewohnerInnen einer besonderen Beliebtheit und soll in Zukunft nicht nur im Sommer frequentiert werden. Um auch die winterlichen Aktivitäten in den Vordergrund zu rücken und gleichermaßen die Mobilitätsagenden einer Großstadt widerzuspiegeln, wird nun nach einer Lösung für den Winterfreizeittourismus gesucht – hier kann diese Brücke gewiss Abhilfe schaffen. Es wird erwartet, dass die Brücke sich zu einem modernen Wahrzeichen der Stadt etabliert und die urbane Entwicklung in diesem Stadtteil positiv beeinflusst. Dieses Vorhaben gelingt wohl nur, wenn der sichere Tritt auch in ungemütlichen Wintertagen gewährleistet wird – ein ansprechendes Projekt mit großem Potential!

down-under ist bereits einen schritt voraus

Kurilpa Bridge Brisbane (C) brisbanetimes.com

 

In Brisbane, Australien erfüllt die Kurilpa Bridge die Kriterien einer gewöhnlichen Fußgänger- und Radfahrerbrücke. Das Besondere ist aber, dass Solarpanele zur Energiegewinnung angebracht und die Brücke bereits 2009 eröffnet wurde – vor 6 Jahren also. Nach zahlreichen Auszeichnungen, Touristenfotos und Erwähnungen in Fachzeitschriften steht sie heute als Symbol für die nachhaltige Energiestrategie des sogenannten fünften Kontinents. Die architektonisch hoch ansprechende Konstruktion, die mit einer komplexen LED Beleuchtung ausgestattet ist, findet sich auch in der Liste der modernen Wahrzeichen der Stadt Brisbane wieder. Diese LED Konstruktion wird übrigens mit der Energie aus den Solarpanelen gespeist. Sie ist zweifelsohne ein Touristenmagnet wie auch eine wichtige Verbindungsader über den Brisbane River für die täglichen Wege der BewohnerInnen.

kosten vs. nutzen

Rad- & Fußverkehr (C) Christopher Frederick Jones

Natürlich stehen hohe Kosten im Raum, die weit über dem Durchschnitt liegen. Dies ist wahrscheinlich auch der Grund, wieso kaum eine Stadt eine Brücke dieses Kalibers bauen lässt – auch Wien nicht. Es zeigt sich aber, dass Brücken, wie sie in Brisbane stehen oder in Novi Sad geplant werden, das internationale Interesse wecken – und das nicht nur in der Architekturszene. Denn durch die technische Adaption eines kleinen Solarkraftwerks die eine Energiegewinnung und -speicherung zulässt, erscheint sie in Kombination mit der Funktion als Fußgänger- und Radfahrerbrücke einzigartig.

Es spielt keine Rolle, ob die gewonnene Solarenergie zur Beleuchtung oder Wärmeproduktion eingesetzt wird – wichtig ist doch, dass sie im Kontext einer „Smart City“ – sofern man eine sein/werden möchte, alle Kriterien erfüllt und das Bewusstsein der Bevölkerung für dieses komplexe Thema geweckt wird. Denn schließlich positioniert sich eine Stadt im internationalen Ranking auch mit Projekten die zur Ressourcenschonung beitragen und zugleich die Lebensqualität steigern.

Sir Isaac Newton sagte einst „… die Menschen bauen zu viele Mauern und zu wenig Brücken“, nun – diese Brücken hätte selbst ihn zum Schmunzeln gebracht.

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