02/2015 – Wien – Eine smarte Abfallwirtschaft ist ein wesentlicher Bestandteil einer lebenswerten und gut funktionierenden Stadt. Denn sowohl die Vermeidung des Mülls auf der Straße, wissenschaftlich „Littering“ genannt, als auch die Verwertung und Weiternutzung gesammelter Altstoffe liegen in der Agenda städtischer Abfallunternehmen.

Um einen Einblick in strategische Aufgabenbereiche der Wiener Abfallwirtschaft zu erhalten, wurde ein Treffen mit Werner Knausz, Vorstand der Altstoff Recycling Austria AG, vereinbart. Die Altstoff Recycling Austria – kurz ARA – ist Österreichs führender Recyclingspezialist für Verpackungen und erspart der Umwelt durch die umweltgerechte Sammlung und Verwertung von Verpackungen nach eigenen Angaben rund 650.000 t CO2 pro Jahr. ARA Vorstand Werner Knausz blickt auf eine spannende Karriere zurück. Der gebürtige Burgenländer hat früh gelernt, seine Kompetenzen und sein Know-How einzusetzen und zählt gerade deshalb heute zu den Personen, die in der Abfallwirtschaft Wiens einen entscheidenden Input einbringen können. Er stand denkenfindetstadt.at Rede und Antwort und erläuterte, wieso er die ARA für die Zukunft gerüstet sieht und welchen Beitrag die ARA zu einer smarten Abfallwirtschaft in Wien leisten kann.

knausz´ meinung…

… zur Rolle der Abfallwirtschaft, wenn es darum geht, Wien zu einer lebenswerten Stadt zu machen.

In Zusammenarbeit mit der Wiener MA 48 sieht Knausz Wien in Sachen „Littering“ weitestgehend aufgeklärt. Wenn man „aus dem Urlaub zurückkommt und sieht, wie sauber es in Wien ist“, lernt man Sauberkeit und das System dahinter sehr zu schätzen. Beispiele wie Neapel zeigen, dass es in einer Millionenstadt auch anders zugehen kann. Die Müllcontainer werden nahezu täglich nach peniblem Plan entleert, um sicher zu stellen, dass keine Gerüche wahrzunehmen sind oder sich unappetitliche Szenen abspielen. In einer Großstadt wie Wien gibt es andere Herausforderungen als am Land – und diese gilt es zu erkennen. In einer Stadt, in der die BewohnerInnen aus einem Mix aus unterschiedlichsten Kulturen, Religionen und Herkunftsregionen zusammengesetzt sind, gibt es keine einheitliche Strategie, um die BewohnerInnen zum „Anti Littering“ zu bewegen. Hier setzt die ARA ganz klar auf langfristige Strategien. Bei der Altpapiersammlung beispielsweise liegt Wien im Österreichvergleich pro Einwohner und Jahr an erster Stelle. Dank einer langjährigen Kommunikationsstrategie und der Möglichkeit, Papiercontainer in jedem Wohnhaus zu integrieren, wurde es WienerInnen leicht gemacht, sich an das „Papiersammeln“ zu gewöhnen.

Lebenswert ist eine Stadt also dann, wenn man sich keine Gedanken über den Müll machen muss, da „der ohnehin von alleine abgeholt und recycelt wird“. Durch die effiziente Energieumwandlung in Müllverbrennungsanlagen sorgt man zudem dafür, dass tausende Haushalte mit Energie versorgt werden.

… darüber, wie „smart“ die ARA agiert.

Die ARA bemüht sich seit Jahrzehnten darum, durch Pionierarbeit in der Abfallwirtschaft neue Akzente zu setzen und neue Strategien zu entwickeln. Klarerweise kann nicht immer alles so funktionieren, wie man es sich vorstellt. Knausz erinnert sich an ein Projekt, bei dem gemeinsam mit der MA 48 versucht wurde, den Sammelanteil an Leichtverpackungen in Teilen des 15. & 16. Wiener Gemeindebezirkes zu erhöhen. Ein Jahr lang hat man massive Kommunikationsarbeit geleistet, um den BürgerInnen die korrekte Mülltrennung zu erklären. Doch hier zeigte sich, dass diese Mühe vergebens war, da dieses Projekt nicht angenommen wurde und sich die Sammelmengen sogar verringert haben. Nach einer Evaluierung schienen die Gründe gefunden – die Behälter waren schlicht zu weit entfernt, sodass sich die BürgerInnen nicht die Mühe machten, ordnungsgemäß zu trennen.

Mobile Crowd Behavior Analyse (c) ARA

 

Ein weiteres Projekt hingegen wurde als Erfolg eingestuft und bewies die Qualitäten der ARA und ihres Partners MA 48, um mit Hilfe heutiger technischer Errungenschaften die Müllsammlung effizienter zu gestalten. Dieses smarte Projekt untersucht mittels „Mobile Crowd Behaviour“ – Analyse die FußgeherInnenströme in ausgewiesenen Untersuchungsgebieten des 15. & 16. Wiener Gemeindebezirks. Hierbei werden Bewegungsdaten von Mobiltelefonen gesammelt, um mit Hilfe dieser zeitlich-räumliche Bewegungsströme zu erfassen. Dank der Output-Daten können somit die bedarfsorientierte Optimierung des Sammelangebotes erstellt und die Sammelcontainer an die Bewegungsströme der BewohnerInnen angepasst werden. Datenschutzrechtlich ist übrigens alles in Ordnung, da die Daten in „alternierenden 10er-Blöcken“ weitergegeben und keine Informationen über Geschlecht, Name oder Alter der Handynutzer angegeben werden.

Diese und viele weitere Projekte, in denen es darum geht, neue Wege zu gehen und Unbekanntes zu wagen, machen die ARA so „smart“. Werner Knausz ist sehr stolz auf diese Projekte und unterstreicht mit seiner Aussage „man muss bei diesen Projekten zugleich darauf achten, die Convenience für den Bürger zu erhöhen“, dass der Bürger an erster Stelle steht.

… zur „Anti Littering“ Bewusstseinsinitiative „Reinwerfen statt Wegwerfen“ und wie diese dazu beiträgt, dass die WienerInnen ihre Abfallhausaufgaben machen.

Reinwerfen statt Wegwerfen (C) ARA

 

Im Rahmen einer freiwilligen Selbstverpflichtung wurde 2012 die „Anti-Littering“ – Initiative „Reinwerfen statt Wegwerfen“ ins Leben gerufen. Sie unterstützt u.a. Maßnahmen zur Vermeidung bzw. Verringerung von Littering und sorgt für eine Umweltbewusstseinsbildung in der Bevölkerung. Diese Initiative wurde Ende 2014 bis ins Jahr 2017 verlängert und findet immer mehr Anklang bei der Bevölkerung Österreichs. Empirisch nachweisbare Studien geben der Initiative Recht. Knausz´ Einschätzung nach ist es besonders in Wien wichtig, Bewusstseinsbildung in Sachen Anti-Littering zu betreiben. Wie eingangs erwähnt wurde, braucht sich Wien in Sachen Sauberkeit nicht zu verstecken, weil das Reinigungspersonal der MA 48 omnipräsent ist und alles achtlos Weggeworfene im Eilzugstempo wegräumt. Das hat aber die negative Begleiterscheinung, dass der „Litterer“ noch weniger Gewissensbisse hat, weil trotz seines Fehlverhaltens ohnehin alles sauber ist.

In der Praxis zeigt sich, dass die Bewusstseinsbildung bereits Früchte trägt. Denn es wird gezielt darauf geachtet, dass Kinder und Jugendliche zum Thema „Littering“ sensibilisiert werden und der „Erziehungsweg“ von unten nach oben verläuft – denn Kinder bringen ihren Eltern das Müllsammeln bzw. Mülltrennen bei. Diese Initiative wird in Wien mit zahlreichen Projekten von ARA und MA 48 unterstützt.

… über seine persönlichen Ziele, die er mit der ARA in Wien noch erreichen möchte.

Sammelinsel (C) ARA

 

Wie aus der Pistole geschossen nannte Knausz ein ganz besonderes Anliegen, welches er in Wien unbedingt forcieren möchte. Die Sammlung von Glas, Metall sowie PET-Flaschen liegt in Wien weit unter dem Durchschnitt Österreichs. In diesem Bereich wird bereits massiv an neuen Herangehensweisen gearbeitet, um den Anteil der Sammlung dieser Altstoffe in Wien zu erhöhen. Es sind dies wieder mittel- bis langfristige Strategien, die zum Erfolg führen sollen. Denn kurzfristige Strategien seien „sicher nicht sinnvoll, da kurzfristig das Bewusstsein und die Motivation der Bevölkerung nicht veränderbar sind“, so Knausz. Und auch hier ist die oberste Devise, mit der Bevölkerung zu kommunizieren und gemeinsam dafür zu sorgen, dass Wien eine der lebenswertesten Städte weltweit bleibt.

Die ARA sieht sich für künftige Herausforderungen gerüstet und hat sich klare Ziele gesetzt, um in Wien ihre Hausaufgaben zu erfüllen. Gemeinsam mit der Politik und ihrem Kooperationspartner MA 48 gilt es, sich den ständig wechselnden Bedingungen anzupassen und mit Hilfe technischer Errungenschaften die Abfallwirtschaft smarter und effizienter zu gestalten.

denk weiter.

 

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