04/2015 – Wien – Strukturiert, durchsetzungsstark und der gewisse Blick fürs Gesamte – dies sind die wichtigsten Eigenschaften, die man mitbringen muss, wenn man für das größte Stadtentwicklungsgebiet Europas – die Seestadt Aspern, zuständig sein möchte. So beschreibt es die Projektleiterin der Stadt Wien in der Seestadt, Frau Mag.a. Christine Spiess. Die Koordination von über 20 städtischen Dienststellen sowie allen täglichen Herausforderungen in der Seestadt zählen zu den wichtigsten Aufgaben der studierten Betriebswirtin. Im Interview mit denkenfindetstadt.at schildert sie die Hürden der letzten Jahre und erzählt, wie aspern Seestadt den Vorbildcharakter eines neuen Stadtteils erfüllen kann.

Christine Spiess blickt auf eine verantwortungsvolle und erfolgreiche Karriere zurück. Die ehemalige Leiterin der MA 10 (Wiener Kindergärten) folgte am 26. August 2011 dem Ruf der Seestadt und nahm die Herausforderung als Projektleiterin der Stadt Wien in der Seestadt an. Das Jahr 2015 wird ein besonderes für sie, denn es ziehen immer mehr BewohnerInnen ein und die Fertigstellung des ersten Wohnquartiers wird in diesem Jahr erfolgen. Wie sie die Herausforderungen annimmt und was noch alles zu tun ist, bis sie zufrieden auf den neuen Stadtteil blicken kann, verrät sie in einem Interview in den Räumlichkeiten des ÖJAB-GreenHouse, dem StudentInnen Wohnheim in aspern Seestadt.

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… zum täglichen arbeitsprozess und den ersten erfolgen

Es waren die ersten fertiggestellten Gebäude und die ersten MieterInnen, sogenannte PionierInnen, die den Projektbeteiligten ein gutes Gefühl vermittelten. Das eigens eingesetzte Stadtteilmanagement und vor allen Dingen die Akzeptanz der neuen BewohnerInnen, dass das erste Wohnquartier im südwestlichen Teil der Seestadt noch Baustelle ist und Schritt für Schritt bis Sommer 2015 fertig wird, stimmte Christine Spiess und ihre ProjektpartnerInnen zuversichtlich. Bis dahin finden laufend Schlüsselübergaben statt und wenn der Zeitplan eingehalten wird, kann im Herbst der Startschuss für den weiteren Ausbau des Südteils begonnen werden. „Es bedarf großen Mutes“, so Spiess, dass sich die BewohnerInnen dazu entschlossen haben, die Ersten in der Seestadt zu sein und sich dem unmittelbaren Baustellengeschehen zumindest noch für einige Monate zu stellen. Den BewohnerInnen werden aber schon in Kürze zahlreiche Nahversorger und Geschäfte des täglichen Bedarfs zur Verfügung stehen – darauf sei man hier in der Seestadt besonders stolz.

Spiess lobte im gleichen Atemzug auch die Zusammenarbeit mit den Bauträgern und allen weiteren Projektbeteiligten, da man früher als geplant die ersten MieterInnen begrüßen durfte. Vieles sei „dem integrierten Programm-Management zu verdanken“. Hier werden tagesaktuelle und längerfristige Agenden besprochen und abgehackt, sodass am Ende keine offenen Fragen sowie Aufgaben übrig bleiben – Arbeiten nach straffem Zeitplan also. Die Abstimmung funktioniert einwandfrei und man merkt sehr gut, dass an einem Strang gezogen wird, um den Zeitplan einzuhalten.

… zu den gegenwärtigen herausforderungen und zielsetzungen

Man könnte meinen, dass mit dem Startschuss zur Wohnungsvergabe der größte Teil der Arbeit bereits erledigt ist – doch das wäre zu kurz gegriffen. Der erste wichtige Abschnitt ist bis Sommer 2015 datiert, da man bis dahin die Infrastruktur in allen Bereichen fertiggestellt sowie alle übrigen Inselbaustellen im Südteil auf den Weg gebracht haben möchte. Es geht Christine Spiess und ihren ProjektpartnerInnen darum, ein attraktives und zugleich qualitätsvolles Gesamtbild zu schaffen. Denn, nicht nur die Aktivitäten einer Baustelle sind Aufgaben des Managements – ein gelungenes Zusammenleben unter den BewohnerInnen sowie die Sicherstellung der Nahversorgung gehören ebenfalls zu den Aufgaben, die bis Sommer – und darüber hinaus – erledigt werden müssen.

Südteil der Seestad Aspern (c) 3420 Aspern Development AG

 

Aktuell arbeitet man akribisch an der Eröffnung von Wiens größtem Bildungscampus, die einen wichtigen Meilenstein in der Geschichte der Seestadt darstellt. Dieser soll zum Schulbeginn 2015/2016 für rund 800 Kinder und mit dem weiteren Ausbau für bundesschulische Einrichtungen letztlich für rund 2.000 Kinder und Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr einen Platz bieten.

Außerdem ist man kurz vor Fertigstellung der Geschäftsstraße in der Maria-Tusch-Straße sowie von Serviceangeboten für die BewohnerInnen der Seestadt (Polizei, Ärzte, Stadthaus, etc.). Aber auch die Firmengebiete im Südosten werden teilweise bis 2016 komplett fertiggestellt sein. Wie sich zeigt, wird noch an einigen Ecken gearbeitet, aber der Zeitplan lässt darauf schließen, dass aspern Die Seestadt Wiens in diesem Sommer einen großen Schritt in die Zukunft machen wird.

… zum datenmanagement der ASCR (Aspern Smart City Research)

ASCR (C) ASCR

 

Die Aspern Smart City Research nahm am 1. Oktober 2013 ihre Tätigkeiten auf und erforscht auf ausgesuchten Baufeldern mit Hilfe von Echtzeitdaten der verbauten Energieinfrastruktur die Seestadt. Ein Ziel ist es, den Energiebedarf der Gebäude zu optimieren und die Energiekosten zu senken. Wie bereits im Artikel von denkenfindetstadt.at zum Thema „big data“ erwähnt wurde, besteht seitens der Bevölkerung eine gewisse Skepsis zur Datensicherheit und deren Anwendung für den öffentlichen Raum. Christine Spiess kann der Skepsis jedoch den Wind aus den Segeln nehmen und erklärt, wieso die BewohnerInnen in der Seestadt alles andere als skeptisch sein müssen.

Vom Forschungsprogramm berührte BewohnerInnen können nämlich selbst entscheiden, ob die Daten aus ihrem Haushalt für Forschungszwecke erhoben werden sollen. Die persönliche Zustimmung dient als Grundvoraussetzung für die Forschungen. Um ein breites Informationsspektrum anzubieten, finden zudem Veranstaltungen zum Thema statt, um neue BewohnerInnen über die Anwendung ihrer Daten zu informieren und ihnen alle Fragen zu beantworten – am Ende des Tages entscheidet dennoch der Mieter/die Mieterin, ob eine Teilhabe am Forschungsprogramm stattfindet – oder nicht.

Spiess hingegen würde ohne zu zögern zustimmen und Teil dieses spannenden Forschungsprojekts werden, aber sie möchte dennoch hervorheben, dass „die BewohnerInnen nicht überzeugt werden müssen, es geht um Erkenntnis, jeder Bürger/jede Bürgerin soll die Vorteile der Forschungsarbeit der ASCR verstehen. Die Entscheidung eines jeden Einzelnen wird jedoch akzeptiert und respektiert“, so Spiess. Sehr gute Einstellung, wie wir finden!

… über den vorbildcharakter dieser stadt

„Oh warten Sie, zum Vorbildcharakter gibt es sehr viel zu sagen“, beantwortete Spiess die Frage und lachte herzhaft. Nein im Ernst, aspern Die Seestadt Wiens braucht sich in keinem Punkt zu verstecken. Als „Stadt der kurzen Wege“ und durch den Funktionsmix von Wohnen und Arbeiten ist der neue Stadtteil richtungsweisend für Neubauten in der ganzen Stadt. Da man hier auch innovative Technologien und Konzepte ausprobieren kann und zugleich auf sozialer Ebene dafür sorgt, dass kostengünstiges Wohnen möglich ist, bietet sich die perfekte Gelegenheit, einen Stadtteil zu realisieren, den sich viele zum Vorbild nehmen können.

Angefangen bei der intelligenten Baulogistik und dem eigens organisierten Stadtteilmanagement über die gute Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz bis hin zu kostengünstigen Wohnungen und einem großen Angebot an Bildungs- und Freizeiteinrichtungen: In und rund um den See soll sich in der Seestadt eine vielfältige Community bilden. Dadurch entsteht ein wertvolles und herzeigbares Stadtprojekt, das über die Landesgrenzen hinaus schon jetzt reges Interesse weckt.

„Man bräuchte eine eigene Abteilung, um all die Besuche zu betreuen und um jene, die zu uns kommen, umfangreich zu informieren“ schmunzelte Spiess. Denn, zahlreiche internationale Delegationen besuchen die Seestadt. Vom Wissensaustausch bis zu umfangreichen und hochrangigen Besuchsprogrammen gibt es viele Anfragen, wobei sich Spiess besonders an eine aus Brasilia, der Hauptstadt Brasiliens erinnert. In Brasilia soll auch eine Smart City entstehen und besonders die E-Bikes hatten es den Herrschaften angetan, „was uns bereits mehrere Besuche in Wien bescherte.“

Aber all dies wäre ohne den politischen Rückhalt und die Entwicklungsgesellschaft Wien 3420 Aspern Development AG, ein Unternehmen der Wirtschaftsagentur Wien, Vienna Insurance Group, Erste Bank und der Bundesimmobiliengesellschaft, nicht möglich. All das – und vieles mehr – trägt dazu bei, dass die Seestadt ein Referenzprojekt für andere Städte weltweit werden kann. Wenn man es schafft, dass soziale, wirtschaftliche und politische Agenden optimal zusammenspielen, befindet man sich am richtigen Weg zu einer Stadt, die dem Lebensstil im 21. Jahrhundert gerecht werden kann.

… über persönliche zufriedenheit und zufriedenstellendes ergebnis

„Hmm, das ist eine schwierige Frage“ hieß die Antwort auf die Frage, wann ihre Arbeit in der Seestadt erledigt ist. Dies liegt jedoch nicht daran, dass die Zielsetzung ungewiss ist, denn der Terminplan sieht vor, dass aspern Die Seestadt Wiens im Jahr 2028 fertiggestellt ist. Egal, wie lange Christine Spiess als Projektleiterin in der Seestadt tätig ist, sie wird „immer mit dem Herzen dabei sein“. Dieser Eindruck bestätigt sich, nachdem sie anfügte, dass sie auf jeden Fall noch einmal JA! sagen würde, wenn sie vor der Entscheidung stünde, ob sie diese Herausforderung annehmen möchte. Sie mag Herausforderungen und genau so sieht sie diese in der Seestadt, obwohl sie sich die Aufgabe nicht so umfangreich vorgestellt hätte, wie sie es täglich erlebt. Trotzdem erklärt sie, dass die Unterschiede zu ihrer früheren Tätigkeit als Leiterin der Wiener Kindergärten keine großen sind. Denn, auch dort muss man unterschiedliche Partner an einen Tisch bringen und versuchen, Lösungen zu finden, die das Projekt bzw. die Aufgabe voranbringen.

Durch eine gut strukturierte, zielgerichtete Projektleitung in einem der größten Stadtentwicklungsprojekte Europas sorgt Mag.a Christine Spiess für einen reibungslosen und erfolgreichen Ablauf. Nicht viele würden dieser Verantwortung stand halten, weshalb schon jetzt behauptet werden kann, dass schon bald die ersten Früchte ihrer Arbeit geerntet werden können – schon im Sommer 2015, wenn das erste Wohnquartier im Süden der Seestadt zum Leben erwacht.

denk weiter.

 

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