01/2015 – Wien/Fujisawa – Was haben sich die Japaner da wieder einfallen lassen? Eine sogenannte „Smart City“, die von Grund auf geplant und nach nur 2 Jahren Bauzeit eröffnet wurde – da hatte man es wohl ganz eilig gehabt. Nun denn, Panasonic positioniert dieses Projekt als weltweit erste technische Smart City und versteht Fujisawa als Zukunftsmodell der Stadtplanung. Ob das Unternehmen mit dieser Meinung allein dasteht?

Fujisawa (c) Panasonic Fujisawa

Fujisawa (c) Panasonic Fujisawa

Fujisawa – eine Stadt, die sich in der Welt der Smart City Städte noch einen Namen machen muss – die mediale Unterstützung jedoch, ist dank finanzkräftiger Sponsoren und der einzigartigen Idee garantiert. Die „Fujisawa SST (Sustainable Smart Town)“, entwickelt und geplant von japanischen Stadtplanern sowie von Japans größtem Elektronikkonzern Panasonic, soll unweit von Japans Hauptstadt Tokyo, die Stadt der Zukunft werden. Nachhaltig, energieeffizient, sicher und nahezu ohne CO2-Emissionen ist dieses prestigeträchtige Experiment innerhalb von nur 2 Jahren am Reißbrett entstanden. Das Projekt klingt vielversprechend, doch ist das die Zukunft der Stadtplanung? Werden Stadtplaner wie wir bald durch CEO´s von Großkonzernen abgelöst oder gar ersetzt?

was ist so „smart“ an dieser stadt?

Am 27. November 2014 war es dann soweit – „Das Projekt Smart City erreicht eine neue Stufe – jeder bei Panasonic verfolgt gespannt, wie die Stadt sich immer weiter mit Leben füllt“, erklärt Michael Langbehn, Manager PR, CSR und Sponsoring bei Panasonic Deutschland, nach der feierlichen Eröffnung des Hauptplatzes der Stadt. Dies soll eine Stadt sein, in der sich die Energieprobleme dieser Welt in Luft auflösen. Passivhäuser mit einer effizienten Energieleistung sowie hochentwickelte Solarpanele auf jedem Gebäude, sollen die 3.000 Seelen Stadt energieautark machen. Wärme- sowie Stromspeicher sollen zudem, die nicht genutzte Energie für 24 Stunden speichern können, sodass auch im Falle eines Stromausfalls, die Energiezufuhr gewährleistet werden kann. Auch in dieser Stadt jedoch, ist es jedem Bewohner möglich, seinen eigenen PKW zu nutzen um auf seine ganz persönliche Mobilität nicht verzichten zu müssen. Allerdings entstehen dadurch Mehrkosten, da man für die Benützung des eigenen PKWs eine Gebühr entrichten muss. Die Planer hoffen jedoch, dass die Bewohner dieser Stadt auf das breite Angebot der Elektromopeds, -autos sowie -fahrräder zurückgreifen und ihre Vision der emissionsfreien Stadt leben.

Für mich stellt sich die Frage, ob dies ein Paradigmenwechsel der Stadtplanung bedeutet, da Reißbrettstädte wie diese, andere Prämissen zulassen als jene, die wir seit hunderten von Jahren kennen, planen und verändern. Die Häuser und Wohnungen dieser Stadt stehen bereits zum Verkauf – doch wer bzw. welche Altersgruppe oder gesellschaftliche Schicht wird sich auf dieses Experiment einlassen?

ist dieses modell für wien vorstellbar?

Die Herausforderungen eines ehrgeizigen Stadtplaners stellen meiner Meinung nach eine Planung im Konsens von Kultur, Politik, Wirtschaft sowie Soziales dar. Wie am Beispiel Wien gut zu sehen ist, ist die Stadt in dieser Hinsicht sehr bemüht und schon lange auf den Smart City Zug aufgesprungen. Hierbei handelt es sich meinem Erachten nach um einen Prozess, der von der Bevölkerung angenommen und gelebt werden muss – bei Fujisawa könnte man den Eindruck erhalten, dass die PlanerInnen sich ihre BewohnerInnen aussuchen, die ihre Idee in dieser smarten Stadt leben. Zudem frage ich mich, ob Unternehmen die Player der Stadtplanung sein sollen. Denn sind wir uns einmal ehrlich – hier profitieren nicht etwa die BewohnerInnen oder die Verwaltung dieser Stadt. In Wien kennen wir ein ähnliches Vorhaben – die Seestadt Aspern. Handelt es sich hierbei etwa um ein Pendant zu Fujisama? Im PDF findest Du mehr zu diesem Thema und meine Analyse zu diesem Projekt.

denk weiter.

 

weiterführende informationen:

hier geht es weiter zum PDF-Download von denkenfindetstadt.at

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