11/2017 – Wien / Silicon Valley – Elon Musk, Initiator und Gründer von „Transportrevoluzer“ Tesla und dem „Weltraumflieger für Jedermann“ Space X, ließ 2013 mit einer neuen Idee aufhorchen. Wenn es nach ihm geht, werden wir in naher Zukunft in respekteinflößenden Kapseln mit einer Geschwindigkeit von etwa 1.200km/h unterwegs sein, damit wir weit entfernte Strecken binnen Minuten bzw. wenigen Stunden bewältigen können. Dieses Vorhaben nennt sich „Hyperloop“ und versteht sich als „fünftes modernes Fortbewegungsmittel“ der Neuzeit. 

Der Hyperloop ist das Konzept eines Hochgeschwindigkeitstransportsystems, in der eine Magnetschwebebahn in einer Röhre mit starkem Unterdruck (fast ein Vakuum) befördert wird. Mit diesem, können Güter und Personen in evakuierten Röhren mit Überschallgeschwindigkeit transportiert werden. Demnach sollen durch Solarenergie elektrisch getriebene Transportkapseln mit Reisegeschwindigkeiten von bis zu etwa 1125 km/h auf Luftkissen befördert werden.

Damit ist es laut Musk möglich, auf Strecken von bis zu 1500 Kilometern deutlich schneller als mit dem Flugzeug und gleichzeitig deutlich günstiger als mit der Bahn zu reisen. Ursprünglich wollte Musk weit entfernte Städte in der USA miteinander verbinden, die nicht durch eine direkte Verbindung eines öffentlichen Verkehrsmittels verbunden sind. Die Vorteile liegen für Musk klar auf der Hand:

  • Schnellerer Transport von Waren, Güter und Personen
  • Wirtschaftlicher Aufschwung durch engere Anbindung zweier (oder mehrerer) pulsierender Wirtschaftszentren
  • Zusammenwachsen und Stärkung der Regionen
  • Kosten- & Ressourceneinsparungen in nahezu allen Bereichen
Hyperloop One Teststrecke Nevada (c) Hyperloop One

die technik der technik

Laut dem ursprünglichen Konzept von Musk sollen auf Stahlbetonstützen zwei nebeneinanderliegende Fahrröhren aus Stahl, in denen ein Teilvakuum herrscht, gebaut werden. Darin sollen Kapseln bewegt werden, die sowohl Passagiere als auch Autos oder andere Lasten transportieren können.

Die meisten Unternehmen planen mittlerweile aber ein elektromagnetisches Schwebesystem. Das Teilvakuum ermöglicht Reisegeschwindigkeiten bis knapp oberhalb der bei Normaldruck bestehenden Schallgeschwindigkeit, ohne die Schallmauer durchstoßen zu müssen. Durch die oberirdische Verlegung der Fahrröhren auf Stützpfeilern und entlang bestehender Autobahn-Trassen sollen die Kosten für diesen Teil des Konzeptes niedrig gehalten werden. Weiterhin setzt das Konzept in wichtigen Teilen auf die Verwendung bereits verbreiteter und günstig verfügbarer Technik. Antrieb und Bremsung sollen über asynchrone Langstator-Linearmotoren erfolgen, die unter anderem auch bei Magnetschwebebahnen verbaut worden sind. Für Notfälle sind zusätzlich eine mechanische Bremse und ein elektrischer Radantrieb vorgesehen. Die Stromversorgung soll über Solarzellen auf den Röhren erfolgen.

Die vorwiegend aus Aluminium konstruierten Kapseln sollen ohne äußere Aufbauten 1,35 Meter breit und 1,1 Meter hoch sein, die Lasten-Kapseln 2,3 auf 1,9 Meter. Sie sollen ein Leergewicht von 3 und 3,5 Tonnen haben mit einer Zuladung von 12 beziehungsweise 22,5 Tonnen. Vorne angesaugte Luft wird komprimiert, gekühlt und teils für den 0,5 bis 1,3 Millimeter dicken Luftfilm verwendet, auf dem die Kapsel gleitet, und teils in einem Rohr unter der Kapsel hindurchgeführt und durch eine rückwärtige Düse ausgestoßen. Die Fahrröhren sollen aus Stahl sein mit einer Wandstärke von 20 bis 25 Millimetern und einem Durchmesser von 2,23 oder 3,3 Metern. Der Innendruck soll bei etwa 100 Pascal gehalten werden, einem Tausendstel des Normaldrucks. Stützpfeiler sollen in einem mittleren Abstand von etwa 30 Meter stehen und Dämpferelemente enthalten, mit denen das System auch Erdbeben aushalten können soll.

Unterschiedliche EntwicklerInnen sowie Unternehmen arbeiten derzeit an der Etablierung einer Hyperloop-Strecke – es läuft ein Wettlauf gegen die Zeit. Wer wird gewinnen?

Hyperloop One Kapsel (c) Hyperloop One

die, die es bauen…

Hyperloop Transportation Technologies (HTT)

Hyperloop Transportation Technologies, Inc. (HTT) wurde im November 2013 gegründet und durch eine einzigartige Crowdfunding- und Crowdsourcing-Inkubator-Plattform finanziert, die kollektives Wissen und Vermögenswerte verwendet, um Ideen wie Hyperloop ™ zu verwirklichen. HTT ist eine kollaborative Organisation, die innerhalb des egalitären Ökosystems eines Unternehmens gegründet wurde, das jeden seiner Mitwirkenden – sowohl Individuum als auch Entität – schätzt. Als Start-Up gegründet, arbeiten sie derzeit an den Bau von diversen Teststrecken, um bereits 2018 mit der ersten voll funktionsfähigen Strecke in Kalifornien, USA durchstarten zu können.

Das Unternehmen ist quasi ein loser Zusammenschluss von mittlerweile 200 WissenschaftlerInnen, Studierenden und Geschäftsleuten, die in den vergangenen 18 Monaten daran gearbeitet haben, die technische und wirtschaftliche Machbarkeit des neuen Transportmittels auszuloten. 2018 planen sie einen Börsengang, um das gesamte Vorhaben finanzieren zu können.

 Virgin Hyperloop One – (ehemals Hyperloop Technologies Inc.)

Das Unternehmen konzentrierte sich vor allem in den Anfangsjahren auf den Transport von Waren und Gütern. Mittlerweile jedoch, hat das Unternehmen Machbarkeitsstudien in Dubai und Jakarta in Auftrag gegeben.

Mitte Juli 2017 wurde nach Angaben von Hyperloop One erstmals eine Geschwindigkeit von 113 km/h erreicht. Anfang August 2017 veröffentlichte das Unternehmen eine Meldung, laut der es einen Testschlitten in einer 500 Meter langen Teströhre, genannt „DevLoop“, auf 305 km/h beschleunigt hat. Damit wurde ein neuer Geschwindigkeitsrekord aufgestellt.

Seit der Gründung konnte Hyperloop One mit Stand von September 2017 gemäß eigenen Angaben Risikokapital in Höhe von insgesamt 245 Millionen US-Dollar einsammeln. In der ersten Finanzierungsrunde erhielt Hyperloop One insgesamt 11,1 Millionen US-Dollar. Hauptinvestor eine Venture-Capital-Gesellschaft. In der zweiten Finanzierungsrunde kamen 19 weitere Investoren weltweit hinzu, darunter auch SNCF, die staatliche Eisenbahngesellschaft Frankreichs. Auch DP World, ein Tochterunternehmen von Dubai World, der staatlichen Investmentgruppe der Vereinigten Arabischen Emirate, ist mit 50 Millionen US-Dollar an Hyperloop One beteiligt.

Hyperloop One beteiligt sich außerdem am Schweizer Projekt Cargo Sous Terrain und hält einen Sitz im Verwaltungsrat inne.

Elon Musk´s „The Boring Company“ 

Elon Musk hatte ursprünglich angegeben, dass er sich aus dem Hyperloop Business zurückziehen und im globalen Wetteifern nicht mitwirken möchte. Umso überraschender erscheint es, dass Musk im Sommer 2017 ankündigte, dass er eine mündliche Zusage aus Regierungskreisen habe, um mit seinem Unternehmen „The Boring Company“ (eine Tunnelbaugesellschaft) einen Tunnel von New York in die Hauptstadt der USA zu bauen — inklusive Hyperloop.

„The Boring Company“ sei aktiv geworden, weil der Fortschritt in Sachen Hyperloop für Elon Musk nicht schnell genug gehe, so ein interner Sprecher. Nun soll die Tunnelbautechnik den Verkehr revolutionieren — auf kurzen Strecken mit elektrischen Wagen und auf längeren Routen eben mit Kapseln im Unterdruck. Diese Version des Hyperloops soll es auf mehr als 1000 km/h in der Stunde bringen.

Das MIT unterstützt Musk in seinem Vorhaben und konzipierte im Februar 2016 eigene Kapseln für den Hyperloop Transportsystem. Weitere Forschungstätigkeiten folgten.

was bringt uns der hyperloop – was nicht?

Im Zuge der Recherche wurden folgende Chancen und Risiken gesammelt:

Chancen / Vorteile:

  • Hyperloop verbindet Regionen mit einer hohen Bevölkerungsdichte miteinander. Der Vorteil – mit Hyperloop können Waren, Güter und Personen in noch nie dagewesener Geschwindigkeit von A nach B transportiert werden. Dies kann die Wirtschaft beider Ballungszentren beleben und neue Impulse für viele Wirtschafts-, & Beschäftigungssektoren schaffen.
  • Der Hyperloop wird als „fünftes modernes Verkehrsmittel“ tituliert und kann zum technologischen Fortschritt unserer globalen Gesellschaft beitragen. Wird diese Technologie in Zentraleuropa bzw. Österreich etabliert, kann der Standort einen gehörigen Impuls erfahren – Stichwort: Pull-Faktor.
  • Mit Hyperloop lässt sich eine hervorragende Energiebilanz beim Betrieb von öffentlichen Verkehrsmittel erreichen. Durch den Einsatz von Solarenergie und moderner Energierückgewinnungssystemen beim Bremsen, benötigen die Kapseln für einen reibungslosen Betrieb vergleichsweise wenig Energie. Außerdem erreicht man durch den äußerst niedrigen Luftdruck in den Röhren einen sehr geringen Luftwiderstand, wodurch die Kapseln sehr hohe Geschwindigkeiten erreichen können.
  • Während des Betriebs wird kein CO2 ausgestoßen. Dadurch wird es einfacher sein, Lobbyismus für die Sache zu betreiben und namhafte Partner und Befürworter für das Vorhaben zu gewinnen. #GreenEnergy
  • Die Strecken lassen sich sowohl oberirdisch als auch unterirdisch bauen – beide Methoden haben ihre Vor- und Nachteile, zeigen aber deutlich, dass der Hyperloop flexibel und an die städtebaulichen sowie ländlichen und äußeren Bedingungen angepasst werden kann.

Risiken / Hürden:

  • Derzeit muss in sehr aufwändigen Machbarkeitsstudien evaluiert werden, ob und inwieweit der Bau einer Hyperloop Strecke in Europa realisierbar ist. Trassenführung, etwaige Kosten sowie Umsetzungspartner müssen gefunden und evaluiert werden.
  • Beim Bau der Strecke wird man einen intensiven Diskurs mit den LandbesitzerInnen der betreffenden landwirtschaftlichen Flächen zu tun haben – nach Erfahrung bisher durchgeführter Machbarkeitsstudien in der USA wird hierfür in etwa ein Drittel der Budgetmittel aufgewendet, um die LandbesitzerInnen für dieses Projekt begeistern und gewinnen zu können. Hierfür wird es gute Lobbyisten und Anwälte brauchen, um dieses Vorhaben erfolgreich zu bewältigen.
  • Da bisher noch keine Hyperloop-Strecke im Betrieb genommen wurde, sind die Hürden und Schwierigkeiten sowie ein rechtlichen Rahmen ungewiss. Es ist auf jeden Fall erforderlich, neue Gesetze, Sicherheitsbestimmungen, Haftungen und allgemeine Spielregeln zu entwickeln, damit der Hyperloop in Österreich zum Einsatz kommen kann.
  • Bestehende Gebäude bzw. Infrastruktur muss an die Hyperloop Infrastruktur angepasst werden. Ankunftshallen, Security-Checkpoints, etc…
  • Unklar ist noch, wie hoch die Kosten für eine Fahrt sein werden – ExpertInnen vermuten, dass eine Fahrt etwa doppelt so teuer wie ein herkömmlicher Kurzstreckenflug sein wird (200-300 €). Diese Summe wird für viele Personen nicht leistbar sein und die Attraktivität des Hyperloops deutlich verringern. Auf lange Sicht planen die EntwicklerInnen, das Angebot für PendlerInnen in den USA kostenlos anzubieten, da Investoren und Sponsoren (inkl. Werbung) auf dem Hyperloop aufspringen werden. Einige weitere ExpertInnen gehen davon aus, dass sich die Kosten bei einem Hyperloop mit einer Länge von 100 km in etwa 20 Jahren amortisieren werden.

Außerdem müssen noch weitere Fragen geklärt werden:

  • Was passiert bei einem Stillstand der Kapsel – können die Passagiere problemlos aussteigen (im Unterdruck)?
  • Gibt es Sicherheitsschleusen – was passiert mit dem Unterdruck, wenn sich diese öffnen?
  • Wie geht es den Passagieren, wenn die Kapsel urplötzlich stehen bleibt (auf die Passagiere wirkt dann das 8-15 -fache des eigenen Körpergewichts)?
  • Wie kann der Unterdruck in einer km-langen Röhre stets aufrecht gehalten werden?

in wien kann es auch bald rund gehen

Fakt ist, die slowakische Regierung hat 2016 mit der Firma HTT (Hyperloop Transportation Technologies) eine Vereinbarung getroffen, um Hyperloop-Verbindungen nach Budapest und Prag zu errichten. Es wurden Machbarkeitsstudien in Auftrag gegeben, um ein mögliche Strecke zu evaluieren. Außerdem hat die tschechische Stadt Brünn 2016 einen weiteren Vertrag mit HTT abgeschlossen, um eine Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben, damit ein Hochgeschwindigkeitsnetz nach Bratislava errichtet werden kann. Wiens Partnerstädte aus der Centrope-Region sehen sich damit als Vorreiter im Wettlauf gegen die Zeit und möchten die erste Region in Europa sein, die dieses Hochgeschwindigkeitstransportsystem errichtet.

Es ist anzunehmen, dass die Stadt Wien nicht tatenlos zusehen wird, wenn im Nachbargarten eine Party steigt und sie nicht eingeladen wird. Schließlich positioniert sie sich in vielen Themenbereichen an vorderster Front und wird auch beim möglichen Bau einer Hyperloop Strecke großes Interesse zeigen und sich vielleicht sogar im spannenden Wettlauf gegen die Zeit einbringen. Doch bevor das geschieht, wird man kleinere Brötchen backen müssen. Schließlich wird man in Europa gespannt abwarten, wie sich die ersten Teilstrecken in der USA entwickeln und ob die Kosten-Nutzen Rechnung aufgeht. Wenn wir in Europa von einer Hyperloop-Strecke sprechen, sind wir wohl im Jahr 2030 angelangt – oder vielleicht sogar noch später.

Was auf jeden Fall bleibt ist die Gewissheit, dass man sich der rasanten Entwicklung des Hyperloops nicht entziehen kann. Es darf sich jeder/jede eine Meinung bilden: Rohrkrepierer oder „boring revolution“…

 denk weiter.

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