04/2018 – Wien – Das heutige Zusammenleben moderner städtischer Gesellschaften hat sich im globalen Kontext deutlich im Vergleich zu der Zeit vor der Jahrtausendwende verändert – wir sind vernetzt, smart, innovativ und schon gar nicht „old school“. Unsere Städte sind hochkomplexe Gebilde, bestehen aus verschiedenen Strukturen und Schichten und bieten der Hälfte der Weltbevölkerung einen Wohn- & Arbeitsraum, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Es liegt in der Natur der Sache, dass urbane Räume in der heutigen Zeit der Digitalisierung nicht stillstehen und als Inkubator für gesellschaftliche sowie technologische Innovationen dienen. Es sind Innovationen, die das Tor zu einer neuen Welt öffnen und in Form von Entwicklungszonen oder Testlaboren die Megatrends unserer Gesellschaft sichtbar machen und neue Trends für das künftige Zusammenleben in einer modernen Stadt vorgeben.

auf den boden gebracht

Konkret bedeutet dies, dass wir unser Zusammenleben von Grund auf überdenken müssen. In vielen Köpfen gilt die Devise „bis zu meiner Haustüre und nicht weiter“ – doch genau das ist der Fehlschluss, wenn wir daran denken, dass unsere Haustüre vielleicht bald unter Wasser stehen könnte oder von Plastikmüll zugeräumt wird. Es benötigt Lösungen, die unsere Gesellschaft als Ganzes voranbringen und nicht einzelnen Individuen das Gefühl vermitteln, dass Innovationen und neue Erkenntnisse einzig und allein zu ihrem Wohlbefinden erfunden wurden. In Europa verstehen wir das unter dem Kontext der Erreichung der europäischen Klimaziele um das Leben in urbanen Räumen im Wettlauf gegen so ziemlich alles Denkbare auf dem höchstmöglichen Niveau zu halten. Zukunftstechnologien und deren intelligente Vernetzung sind der Schlüssel für ein effizientes und ressourcenschonendes Leben in Städten des 21. Jahrhunderts – und darüber hinaus.

Städte spielen für die Erreichung der europäischen Klimaziele eine zentrale Rolle und müssen das Spielbrett für Innovationen für alle Spieler fair und offen gestalten. Durch den Mut, neue Wege zu gehen und altbewährtes neu zu durchdenken werden Städte künftig energieeffizienter und nachhaltiger agieren müssen. Die Spielregeln sind klar: Eine massive Steigerung der Effizienz auf allen Infrastrukturebenen sowie die Einbindung erneuerbarer Energiesysteme in urbanen Räumen wird unbestritten die größte Herausforderung aber auch den größten Erfolg darstellen, sollten diese Regeln eingehalten werden.

Doch nicht nur das Thema Energie wird im Mittelpunkt stehen. Wie eingangs erwähnt, hält die Digitalisierung bereits in nahezu allen Lebensbereichen Einzug und bestimmt schon längst unseren Tagesablauf. Die Vernetzung fortschrittlichster Informations- & Kommunikationstechnologien ermöglicht uns neue Möglichkeiten der Effizienzsteigerung und die Schaffung neuer Innovationsprozesse. Hierbei geht es nicht darum das Rad neu zu erfinden, sondern viel mehr um einen Mix aus altbewährtem und neu geschaffenen. Es stellt sich daher berechtigterweise die Frage: Sind wir Spieler oder Spielfiguren?

das kleine 1×1 der innovation

Die Plattform „denkenfindetstadt.at“ soll durch ihre Beiträge Lesende zum Mitdenken animieren und lässt bewusst viele Fragen offen – doch wenn wir hier über Innovation sprechen, möchten wir auch sicherstellen, dass wir alle im selben Boot sitzen.

Innovation leitet sich aus dem Latein ab (Innovo) und bedeutet so viel wie „erneuern“. Und hier steckt auch schon das Zauberwort – erneuern heisst soviel wie, bestehende Prozesse neu durchdenken und die ein oder andere Schraube geringfügig drehen, damit eine Verbesserung im Vergleich zum vorherigen Status auftritt. Jeder Bereich, der sich mit Innovation beschäftigt, darf seine eigenen Spielregeln definieren, wie diese in ihren Unternehmen oder ihrer Gesellschaft eingebunden werden soll. Für städtische Verwaltungen und Unternehmungen geht es vor allem um bereichsübergreifende Innovationsvorhaben, um die erforderlichen Rahmenbedingungen zur Verfügung zu stellen. Da sprechen wir von einer offenen Kommunikationsbasis, einem angemessenen Budget für diverse Vorhaben und den Mut für Entscheidungen aufbringen – auch wenn das Risiko in manch anderen Unternehmen den hiesigen Risk-Manager zum Verzweifeln bringen würde.

Das Innovationsvorhaben in Städten ist grundlegend simpel wie einfach – man muss am Puls der Zeit leben, d.h. Zukunftstrends definieren, neugierig sein, im Austausch mit Know-How TrägerInnen stehen und im richtigen Zeitpunkt die richtigen Fragen stellen. In weiterer Folge wird ein Budget erforderlich sein, um die Ideen und künftigen Projekte finanziell stemmen zu können und im weiteren Verlauf braucht es die entscheidungsfreudigen Entscheidungsträger, die dann nicht zweifeln, wenn es darauf ankommt. Gutes Marketing und durchgängiges Stakeholdermanagement runden die Sache ab. Am Ende steht dann hoffentlich ein Projekt, dass allen Beteiligten die richtigen Signale vermittelt und am Ende des Tages auch den BürgerInnen zu Gute kommt – wozu macht man das alles denn sonst?

nennen wir das kind beim namen

Wiener Stadtwerke (c) orbi-tower

Dieses Mal möchten wir uns gerne mit Wiener Innovationen befassen, die entweder kurz vor der Realisierung stehen oder bereits seit vielen Jahren erfolgreich etabliert sind, aber von wenigen als solche bemerkt werden. Federführend sind hier die Wiener Stadtwerke zu nennen, die für die Daseinsversorgung und das Zusammenleben in der Stadt Wien der entscheidende Player sind.

Projekte wie das eTaxi, die Ausweitung des E-Ladestellennetzes in Wien, das Projekt Smarter Together, die Forschung des Selbstfahrenden (autonomen) Busses, Brake Energy – Energierückgewinnung aus Bremskraft bei U-Bahnzügen sind Mobilitätsprojekte, auf die man gespannt blicken wird und die international für viel Aufsehen gesorgt haben.

Weiters forscht die Wien Energie mit Blockchain in der Energiebranche, setzt Drohnen bei Wartungs- & Reparaturarbeiten ein und forscht und baut ihr Fernkältenetz weiter aus. Außerdem kommt die Virtual Reality auch nicht zu kurz, da viele Machbarkeitsstudien und Visualisierungen mit dieser Technologie kostengünstig und effizienter als zuvor dargestellt werden können.

Dieser kleine Auszug zeigt, dass Wien in vielen unterschiedlichen Bereichen versucht, Innovation in die Prozesse einfließen zu lassen. Dadurch erhöht sich die Außenwahrnehmung als Innovationsleader und es gelingt in weiterer Folge, dass ein Know-How Vorsprung gegenüber anderen Playern erfolgreich ausgebaut wird.

Wir könnten hier eine Vielzahl weiterer Projekte anführen, doch uns geht es vielmehr darum zu zeigen, dass wir uns in Wien nicht auf diverse Studien verlassen, die uns die höchste Lebensqualität attestieren oder uns zur innovativsten Stadt küren. Wer sich auf diesen Lorbeeren ausruht, hat den Wettkampf bereits verloren. Nur wer Innovationen zulässt und fördert, wird in einigen Jahren mit zwei lachenden Augen auf jene Entscheidungen zurückblicken, die aus heutiger Sicht wohl eher zum Stirnrunzeln führten.

denk weiter.