02/2015 – Wien/London – Heutzutage erledigt man viele Alltagswege mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder man geht kürzere Distanzen gleich zu Fuß. Und jetzt stell Dir mal vor, es gäbe eine Möglichkeit um im Vorbeigehen Strom für den öffentlichen Raum zu produzieren. Eine smarte Innovation aus England zeigt, dass dieser Gedanke nicht weit weg ist und vielleicht schon bald in den Fußgeherzonen Wiens installiert werden kann.

step forward (c) Pavegen Systems

step forward (c) Pavegen Systems

Die Vorstellung mit Hilfe seiner eigenen Körperkraft Strom zu erzeugen bedeutet ein Stück Freiheit und vermittelt ein höheres Selbstwertgefühl. EntwicklerInnen aus England haben mit ihrem Modell der einfachen Stromgewinnung durch das Treten auf eine speziell konzipierte Fläche, einen großen Schritt in diese Richtung gemacht. Jeder Schritt bedeutet zugleich eine Spannung von 12 Volt und dieser kann sowohl in einem Stromspeicher auf bestimmte Zeit gespeichert, als auch an die gewünschte Nutzung sofort übermittelt werden. Das Prinzip dieser Form der Energiegewinnung nennt sich „energy harvesting“ und bedeutet übersetzt „das Ernten von Energie“. Hier wird Strom gewonnen, der ausschließlich mit Hilfe von öffentlichen und frei zugänglichen Quellen produziert wurde.

getestet und eingesetzt

Nach einer langen Testphase mit unzähligen Belastungs- und Widerstandstests wurde das Projekt erstmals beim Pariser Marathon 2013 eingesetzt. Glücklicherweise wurden die TeilnehmerInnen vor dem Rennen informiert, dass ein Testversuch stattfindet und sie ohne Bedenken auf die Quadrate treten können. An diesem Tag wurden 7 Kilowatt Stunden Strom erzeugt – ca. so viel um eine handelsübliche 60 Watt Glühbirne 5 Tage lang durchgehend brennen zu lassen – und das nur mit Hilfe der Trittkraft der TeilnehmerInnen. Und hier steckt das große Potenzial dieser Technik, da man an öffentlichen, stark frequentierten Plätzen eine hohe Anzahl an FußgeherInnen findet, die alle mit einem Schritt auf diese Plattform genügend Strom erzeugen können, um den umgebenden Raum in den Nachtstunden zu beleuchten.

wie ausgereift ist die technik?
function (c) Pavegen Systems

function (c) Pavegen Systems

Bei aller Euphorie – diese Technologie steckt in den Kinderschuhen und der Einsatz lässt noch einige Fragen offen. Ich bin davon überzeugt, dass das Produkt reibungslos funktioniert und technisch am Stand der Dinge ist, aber damit kann nicht gewährleistet werden, dass genügend Strom gespeichert wird, um die Straßenbeleuchtung ausschließlich mit der gewonnenen Energie der Flächen zu speisen. Was passiert, wenn der gespeicherte Strom verbraucht ist und es plötzlich dunkel wird?

Außerdem steht den EntwicklerInnen eine große Hürde bevor, denn es muss ein Weg gefunden werden, um städtische Energieversorger davon zu überzeugen, dass das Unternehmen diesen nicht den Markt streitig machen, sondern vielmehr als Partner und Unterstützer auftreten möchte. Mit der Installation dieser Technologie wird zweifellos in das Stromnetz und das vorrätige System eingegriffen. Sobald sich aber die Idee in den Köpfen der Verantwortlichen etabliert hat, wird man auch darüber verhandeln können.

ein schritt in eine energieeffiziente zukunft

Die Stadt Wien soll weiterhin den Weg verfolgen, neue Technologien in unterschiedlichste Bereiche des Lebens einzusetzen um auch international der Bezeichnung „Smart City“ gerecht zu werden. Dies wäre nämlich ein Baustein eines Gesamtkonzepts um eine Stadt wie Wien energieautark zu machen. Im PDF findest Du eine vollständige Vorstellung dieser technischen Innovation sowie weitere Gedanken dazu, wie sich diese in das Leben Wiens eingliedern lässt.

denk weiter.

 

weiterführende informationen:

hier geht es zum PDF-Download von denkenfindetstadt.at

offizielle videopräsentation

pavegen homepage