01/2017  – Wien/Rotterdam – Uns allen ist bewusst, dass unser globales Klima eine drastische Veränderung durchmacht und wir uns an diese Bedingungen anpassen müssen – ob es uns gefällt, oder nicht. Die Polkappen schmelzen dahin, die CO²-Belastung wird nicht geringer und auch viele Tierarten wird man in wenigen Jahren nur mehr aus den Geschichts- bzw. Biologie-Büchern kennen. Besonders hart trifft es aber urbane Regionen, die nahe am Wasser gebaut sind und sich die Frage stellen müssen, ob sie nun einen 2 Meter hohen Damm bauen oder sich auf eine kluge Art und Weise an die veränderten Bedingungen anpassen sollen. Nun, ich denke, folgendes Beispiel aus Rotterdam ist nicht die ultimative Antwort bzw. Lösung dieses Problems – aber irgendwie muss man ja anfangen.

Die Sicherung und Erhaltung einer pulsierenden und bedeutsamen Stadt, ist durch Einbeziehung von Anpassungsmaßnahmen an äußere Bedingungen durch eine kluge und zukunftsorientierte Stadtplanung möglich. Für Rotterdam ist die Erhaltung der Lebensqualität für alle BewohnerInnen das non plus ultra und selbst der „Klimawandel“ kann diesem Vorhaben nichts anhaben. Im Gegenteil – die StadtplanerInnen Rotterdams greifen zu äußerst ungewöhnlichen Maßnahmen, um sich der Bedrohung des steigenden Meeresspiegels zu Nutze zu machen und damit den BewohnerInnen das Gefühl zu vermitteln, dass sie in der Stadt sicher vor Überschwemmungen sein können.

nichts geht mehr ohne die „rotterdam adaptation strategy“ 

Rund 55% der Landfläche der Niederlande sind des Risikos des steigenden Meeresspiegels ausgesetzt und von einem großen Überschwemmungsereignis bedroht. Rotterdam war sich dieser Tatsache bereits sehr früh bewusst und agierte als eine der ersten urbanen Regionen auf diese Gefahr. Die „Rotterdam Adaptation Strategy (RAS)“ war die Antwort auf die Notwendigkeit einer Anpassungsplanung, die seit ihrem Bestehen 2008 in allen Stadtplanungsprojekten berücksichtigt wird. Sie gilt als bindendes Dokument, das dafür Sorge tragen soll, dass eine integrierte Strategie für die gesamte Stadt künftige Bauprojekte dahingehend beeinflussen soll, die Sicherheit und Lebensqualität für mehr als 600.000 BewohnerInnen zu gewährleisten.

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die erfolge lassen sich sehen

Seit RAS hat die Stadt Rotterdam rund 219.000 m² Gründächer errichtet, die neben komfortablen Räumen für Freizeitaktivitäten auch noch um die 82 Tonnen CO² und bei starkem Regenfall sogar 15 Liter Wasser / m² aufnehmen können. Aber nicht nur das – öffentliche Parkplätze  und Parkhäuser dienen auch als Wassereinzugsbecken, die in der Lage sind, in Summe in etwa 10 Millionen Liter Wasser zu speichern. In ähnlicher Art und Weise – jedoch ohne Autos, präsentiert sich der Benthemplein-Wasserpark. Benthemplain ist insofern etwas Besonderes, da es sich hier um einen Spielplatz und Aufenthaltsbereich handelt, der bei starkem Niederschlag rund 1,8 Millionen Liter Wasser aufnehmen und zurückhalten kann. Diese und viele weitere RAS-Anpassungen reduzieren die Belastung der Kanalisation und das Überschwemmungsrisiko in der Stadt und bieten den BürgerInnen zudem neue Freizeitmöglichkeiten, die die Ästhetik und die Lebensqualität in der Stadt deutlich erhöhen.

Blentemplein Plan & Principles (c) De Urbanisten

der erfolg gibt ihnen recht

Rotterdam hat es geschafft, dank RAS die Herausforderungen zu bekämpfen, die diese Stadt ernsthaft in Bedrängnis bringen können. Doch neben den Erfolgen wie Benthemplein, hat man es in Rotterdam geschafft, die Urban Heat (dt. urbane Hitzeinseln) Temperatur um bis zu 8 Grad Celsius zu verringern und dafür zu sorgen, dass diese Plätze zu einem attraktiven Aufenthaltsort geworden sind.

Benthemplein ist seines Zeichens zu einem besonderen Treffpunkt für städtische Aktivitäten geworden und erfüllt starke gesellschaftliche Erfordernisse, die an einem öffentlichen Raum gestellt werden können: Es handelt sich um eine Kombination aus verstärkten Freizeitaktivitäten und zugleich um einen integralen Bestandteil dieser Region.

Rotterdam macht aus der Not eine Tugend und beweist kreativen Innovationsgeist und einen eisernen Willen. Die Stadtregierung war sich dessen bewusst, dass das Wasser immer näher kommt und früher oder später zu einem ernsten Problem wird. Doch anstatt sich Gedanken zu machen, wohin man das Wasser ableiten kann, bewiesen die StadtplanerInnen Rooterdams, dass sie keine Angst vor dem Wasser haben und entwickelten schließlich Möglichkeiten, wie sie das überschüssige Wasser nutzen können.

was tut sich in wien?

Zugegebenermaßen – Wien hat nur indirekt mit den Herausforderungen zu kämpfen, mit denen Rotterdam zurecht kommen muss. Zwar ist Österreichs Bundeshauptstadt nicht vom Anstieg des Meeresspiegels betroffen und auch hat man mit dem Bau der Donauinsel und der Regulierung der Donau künftige Hochwassereignisse verhindern können. Nur scheint es auf Grund der klimatischen Veränderungen nur eine Frage der Zeit zu sein, bis wir uns auch hierzulande überlegen müssen, wohin wir das überschüssige Regenwasser ableiten können, um die Systeme nicht zu überfordern oder davon ausgehen zu müssen, tausende Keller auszupumpen. Überschüssiges Wasser kann durch den Bau von mehr Dachbegrünungen oder durch ähnliche Projekte wie Benthemplein unterirdisch gespeichert und den zahlreichen Brunnen und Plätzen Wiens bei Bedarf zugeleitet werden.

Wir können vom Innovationsgeist Rotterdams gewiss einiges mitnehmen und werden wohl eigene Strategien entwickeln, um uns des überschüssigen Wassers zu entledigen. Wenn urbane Regionen ihren eigenen Weg gehen, wird es künftig weitere Projekte dieser Art geben, die den BewohnerInnen ein sicheres Lebensgefühl vermitteln – auch wenn sich das Klima global zu verändern scheint.

denk weiter.

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