05/2017 – Wien/Seoul – Vielerorts stellt man sich die Frage – ist eine Stadt glücklicher, wenn sie teilt? Manche würden spontan mit „Ja“ antworten und prompt das Beispiel der „Sharing City“ bringen, die ihr soziales Kapital hegt und pflegt und durch Impulse aus der Bevölkerung, die lokale Stadtverwaltung sowie namhafte Unternehmen zum Umdenken bewegt. Wie bereits zahlreiche, erfolgreiche Beispiele zeigen, wird vieles im öffentlichen Raum geteilt – es sind dies immer auch soziale Räume, in denen sich Beziehungen entfalten können.

Da städtische Akteure Teil dieses beweglichen Ökosystems sind, in dem die soziale und ökonomische Wertschöpfung verstärkt partizipativ erfolgt, sind diese auch in die Pflicht genommen, auf die veränderten Prozesse und Rahmenbedingungen ihrer Stadt zu reagieren und einen rechtlichen sowie ökonomischen Rahmen zu definieren. In unseren Städten wächst nämlich eine Beteiligungskultur, die Verwaltung und BürgerInnen, Wirtschaft und KonsumentInnen vernetzt.

Die interaktiven Bedürfnisse der Crowd und stetige Anpassungen an gesellschaftliche „Needs“ verändern das atmosphärische Design der Stadt und die städtischen Gestaltungsprozesse. Diese Beteiligung hat aber – das muss klar gesagt werden – auch ihre individuellen strategischen Grenzen, in der gewählte Repräsentanten einen passenden Rahmen finden müssen. Fakt ist, die virale Beteiligungskultur verändert das Gewebe der Stadt – von Nachbarschaftsprojekten über partizipative Stadtentwicklung bis hin zur Stärkung lokaler Ökonomien (Co-Working Spaces etc.), von der blühenden Sharing Economy (Repair Cafés, Food Sharing etc.) und Social Business-Modelle bis hin zu neuen Formen des Teilens wie Bike- & Car-Sharing, AirBnb oder Uber.

sharing city – seoul macht es vor

Die südkoreanische Hauptstadt Seoul hat 2011 mit einem Experiment gestartet und die Sharing Economy das umfangreiche „The Sharing City, Seoul“ – Projekt zur obersten Priorität erklärt.

Die „Sharing City ist eine neue Alternative für soziale Reformen, die viele wirtschaftliche, soziale und Umweltprobleme der Stadt lösen kann und gleichzeitig neue Geschäftsfelder eröffnet, auf Vertrauen basierte Verhältnisse wiederherstellt und die Verschwendung von Ressourcen bekämpft“, so die Ankündigung in diversen Pressemeldungen. Die Steuerung erfolgt über zwei Wege: Einerseits sollen öffentliche Ressourcen wie Gebäudeflächen, Straßen und Parkplätze sowie öffentliche Dienstleistungen zur Verfügung gestellt werden, andererseits will die Stadt mit neuen Gesetzen Hürden abbauen und die richtigen Voraussetzungen schaffen, um Unternehmen den Einstieg in Sharing-Economy-Modelle zu erleichtern.

Die Verbindung zwischen Politik, Wirtschaft und privatem Sektor bildet das „Seoul Sharing Promotion Committee“, das die Stadt mit Rechtswissenschaftlern, Presse, Unternehmen, Non-Profit-Vertretern, Wissenschaftlern und Vertretern der Regierung besetzt. Zu den Aufgaben gehören unter anderem Verbesserungsvorschläge für Gesetze sowie Vorschläge für gemeinsame Marketing-Aktivitäten. Zusätzliche Unterstützung kommt vom südkoreanischen Arm der Non-Profit-Organisation Creative Commons, die mit ShareHub eine Wissensdatenbank, und zentrale Anlaufstelle bilden.

Das Geheimrezept für ein funktionierendes Sharing-Konzept liegt auf der Hand: Südkorea liegt weltweit unter den führenden Technologieherstellern in den oberen Rängen, verfügt über eine besonders hohe Bevölkerungsdichte und hat es im Vergleich zu anderen asiatischen Staaten geschafft, eine hohe Lebensqualität zu gewährleisten und ihre Pforten in Richtung westlicher Errungenschaften und gesellschaftsfördernden Maßnahmen zu öffnen.

Seit Bestehen des „The Sharing City, Seoul“ – Projekts hat sich Seoul enorm weiterentwickelt, der Boom neuer Konsum-Dienste ist ungebremst. Aber, viele der neuen Geschäftsmodelle funktionieren nur innerhalb der Stadt und lassen sich nicht einfach mit wenigen Klicks auf andere Regionen übertragen. Die Initiativen der Regierung bieten jedenfalls eine ideale Vorlage für andere Städte, eigene Rahmenbedingungen und Konzepte zu schaffen.

Sharing City Seoul

sharing mobility kennen viele – aber können wir auch autonom?

Autonome Fahrzeuge können eine saubere, kosteneffiziente und zukunftsweisende städtische Mobilitätsrevolution auslösen, die unser neu gewonnene Errungenschaft „Sharing Mobility“ in neue Sphären heben kann.

Das Versprechen von Herstellern autonomer Fahrzeuge hat bei futuristisch veranlagten urbanen Denkern besonders hohe Wellen geschlagen. Die große Hoffnung: Das Aufbrechen autozentrierter städtischer Gestaltungs- und Planungsprozesse, was für die meisten westlich geprägten Städte im 20. Jahrhundert schier ein Ding der Unmöglichkeit schien. Doch die Realität sieht anders aus: In naher Zukunft werden selbstfahrende Autos durch unsere Städte fahren, den Straßenraum befreien und Millionen von Hektar an Parkraum für eine effizientere und nützliche Gestaltung freigeben. Mixt man diesen Gedanken mit der fortschreitenden Elektrifizierung der Fahrzeugflotte und dem Prinzip des Teilens, es könnte so aussehen, als ob wir uns einer Stadttransport-Utopie nähern würden.

Lasst uns einen Blick in die Realität werfen: Es findet sich in nahezu jeder modernen Stadt irgendeine Form von Sharing Mobility. Die Beispiele reichen von klassischen Bikesharing Lösungen bis hin zu privaten und städtischen Carsharing Konzepten, die multimodal, rund um die Uhr angeboten werden. Da die Entwicklungen der autonomen Fortbewegungsmittel noch in den Kinderschuhen stecken, bleibt der Erfolg und nachweisbarer Mehrwert autonomer Sharing-Konzepte (noch) aus. Früher oder später werden wir uns der Tatsache konfrontiert sehen, dass wir ein autonomes Fahrzeug problemlos via Handy-App bestellen und per Kreditkarte komfortabel bezahlen. Während man von A nach B befördert wird, lassen sich Termine organisieren, schriftliche Arbeiten erledigen oder es wird anderen Tätigkeiten nachgegangen. Stellt sich nur die Frage, welchen Mehrwert autonome Fortbewegungsmittel im Vergleich zu öffentlichen Verkehrsmitteln darstellt. Schließlich lassen sich in der Straßenbahn auch ganze Kapitel einer Masterarbeit schreiben.

Electric Mobility Sharing Station

was bleibt, ist die gewissheit…

…, dass eine Gesellschaft davon profitiert, wenn Dienstleistungen und Produkte miteinander und untereinander geteilt werden. Das „Miteinander“ ist hierbei entscheidend und zeigt auf, wie sehr die Bedürfnisse der BewohnerInnen einer Stadt in den Vordergrund gerückt werden, um diese im Zeitalter immer knapper werdender Ressourcen und einer fortschreitenden Digitalisierung in nahezu allen Lebensbereichen an die veränderten Bedingungen anzupassen. Wie wir dazu kommen, kann vielseitig und abenteuerlich zugleich sein: Sind es etwa Unternehmen, die mit ihren Ideen vorpreschen und Stadtverwaltungen überrumpeln, oder sind es die eben genannten, die den Rahmen schaffen, in dem ein „Sharing Ecosystem“ entstehen kann und Entwicklungsprozesse Hand in Hand gehen oder sind es private Initiativen, die von den BürgerInnen ausgehen und die Stadt nach ihren Bedürfnissen verändern sollen – die Fülle an Beispielen ist nahezu unerschöpflich.

Die Städte in denen wir leben sind Orte der Menschen. Sie werden nach den menschlichen Bedürfnissen designt und strukturiert. Die Bandbreite reicht von Co-Working Spaces über Urban Gardening Initiativen und Car- und Bike-Sharing-Modellen bis hin zu dem Konzept der partizipativen Stadt. Hierbei können städtische Verwaltungen und BürgerInnen voneinander lernen und ihre Stadt gemeinsam neu gestalten.

Doch getreu dem Motto „Sharing is caring“ können wir uns auf weitere spannende Sharing-Konzepte freuen, die unser Leben im positivsten Sinne beeinflussen und vielleicht auf den Kopf stellen.

denk weiter!  

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