04/2015 – Wien – Die Mobilität spielt in unserem Leben eine fundamentale Rolle. Völlig egal, ob wir uns zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit dem Auto oder einem anderen Fortbewegungsmittel bewegen – wichtig ist, dass wir uns bewusst dazu entschließen eine dieser Möglichkeiten zu wählen, um vom Fleck zu kommen. Gleichzeitig boomt der Wohnbau in der wachsenden Metropole Wien, weshalb die Frage nach nachhaltigen Mobilitätslösungen im Zusammenhang mit dem Thema Wohnen immer wichtiger wird.

DI Anne Lang - raum&kommunikation GmbH

DI Anne Lang – raum&kommunikation GmbH

Für das Planungsbüro raum & kommunikation GmbH und das strategische Designunternehmen Spirit Design – Innovation and Brand GmbH, werden die Themen Wohnen und Mobilität sehr oft separat betrachtet, weshalb die beiden Unternehmen gemeinsame Sache machten und das Forschungskonzept „WOMO – Wohnen und Mobilität“ entwickelten – denkenfindetstadt.at hat nachgefragt, was es damit auf sich hat.

Das Planungsbüro raum & kommunikation GmbH, das seine Schwerpunkte in der Stadtentwicklungsplanung, innovativen Wohnbauprojekten und seit jüngster Zeit auch in der neuen urbanen Mobilität setzt, sucht nach nachhaltigen Lösungen für neue Stadtentwicklungsprojekte. Eines dieser Forschungskonzepte ist das Projekt WOMO – Wohnen und Mobilität, welches von DI Anne Lang seit Anfang 2014 mitbetreut und Ende 2014 abgeschlossen wurde. Im Interview mit denkenfindetstadt.at erklärte sie die Schwerpunkte dieses Konzepts und vor allem, welchen Mehrwert die Ergebnisse für die Bevölkerung darstellen.

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… über vorüberlegungen und gründe, die zum womo – forschungskonzept führten

Ein Großteil der täglichen Wege startet und endet am Wohnort. Die zentrale Frage, die sich durch alle Überlegungen zog, war daher, wie man alternative Mobilitätsangebote in neuen Stadtteilen quasi direkt vor der Haustür zugänglich machen kann. Dahinter steht die Zielsetzung, den individuellen Pkw-Besitz durch den Zugang zu neuen urbanen Mobilitätsangeboten am Wohnstandort zu reduzieren.

„Es geht nicht darum, den BewohnerInnen ihren privaten Pkw zu verbieten, sondern darum ein alternatives Angebot an Fortbewegungsmitteln im urbanen Raum bereit zu stellen, damit privater Pkw-Besitz erst gar nicht erforderlich wird.“ so Lang. Das WOMO Forschungskonzept versucht daher bestehende Angebote zu bündeln und für die BewohnerInnen direkt am Wohnstandort sichtbar und zugänglich zu machen. Wichtig war dem Projetteam, das Thema nicht nur aus planerischer und bauausführender Sicht zu betrachten, sondern auch ganz konkret zu schauen, was unterschiedliche Nutzergruppen für ihre Mobiltiät direkt am Wohnstandort benötigen.

Die Nachfrage nach der Implementierung von Multimodalität im Planungsprozess urbaner Räume wird immer größer. Dies zeigt sich beispielsweise am breiten Angebot öffentlicher Verkehrsmittel in neuen Stadtteilen. Das Projekt beschäftigt sich aber darüber hinausgehend mit dem Bereich, der sich zwischen öffentlichen Verkehrsmitteln einerseits und privatem Pkw-Besitz andererseits aufspannt, nämlich dem wachsenden Angebot an alternativen Mobiltilätsformen in der Stadt wie z.B. Carsharing, Leihräder oder Mitfahrgelegenheiten. Diese neuen Mobilitätsangebote sollen von Anfang an im Planungsprozess neuer Wohnbauvorhaben und Wohnquartiere berücksichtigt werden.
Projektkonsortium WOMO - Spirit Design GmbH & raum & kommunikation GmbH

… über die kernpunkte des womo – wohnen und mobilität forschungskonzeptes

Das Projekt soll auf vorhandene Technologien und Lösungsansätze der integrierten Mobilität aufbauen und in konkreten Stadtentwicklungsprojekten angewendet werden können. Ein dafür im Rahmen des Projekts entwickelter Baukasten stellt die nötigen Bausteine zur Vefügung. Es wurden drei ganz konkrete Mobilitätsprodukte entwickelt, die in Größe und Ausstattung an die jeweiligen räumlichen Bedürfnisse vor Ort angepasst werden können:

1) Mobilitäts-Pool: Wohnhauseigenes Pooling-System für kleinräumige Mobilität:

Ein Pool an Fahrzeugen (z.B. Lastenräder, Kleinfahrzeuge, Fahrzeugzubehör) sowie dazugehörige Services werden durch Bauträger, Mobilitätsbetreiber und ggf. auch im Rahmen von privatem Sharing in gut zugänglicher und sichtbarer Lage bereit gestellt.

2) Mobilitäts-Kiosk: Bestehender Kiosk/Shop im Quartier bietet zusätzlich Mobilitätsangebote an:

Denkbar als Shop-in-Shop-Konzept mit Geschäftslokal/Café/kleinem Nahversorger im Wohnhaus oder als eigenständiger Mobilitätsshop. Idealerweise ist er auch sozialer Treffpunkt im Quartier. Elemente z.B.: Beratung und Verkauf diverser Mobilitätsangebote, Lastenrad-Verleihsystem, (E-)-Sharing-Fahrzeuge, Reparatur-Werkstatt, E-Ladesäulen, Haltebucht für Mitfahrgelegenheiten, Informationsmonitore u.a.

Projektkonsortium WOMO - Spirit Design GmbH & raum & kommunikation GmbH
3) WOMO-App: Digitale Plattform für wohnstandortbezogene Mobilitätsinformationen und -services:

Durch die Plattform werden alle am Wohnstandort verfügbaren Mobilitätsangebote kommuniziert. Bestandteile sind: öffentliche Terminals, WOMO-App fu?r Smartphones, Web-Interfaces auf PC/Info-Screen (z.B. am Hauseingang), Admin-Portal für Liegenschaftsverwalter. Informationen, Buchungs- und Abrechnungsservices stehen jederzeit zur Verfügung und auch der Nachbarschaftsaustausch wird gefördert.

Quelle: Projektkonsortium WOMO – Wohnen und Mobilität, Spirit Design GmbH in Kooperation mit raum & kommunikation GmbH

… über die rolle der e-mobility im forschungskonzept womo – wohnen und mobilität

Elektromobilität sei „grundsätzlich zu befürworten und gehört auf jeden Fall weiter forciert, vor allem im urbanen Bereich. Die Forschungsvorhaben gehen in die richtige Richtung“, so Lang. Jedoch fügte sie gleichzeitig hinzu, dass „Technik und Lade-Infrastrukturen bei Weitem noch nicht so weit sind, dass Elektromobilität – vor allem im Fahrzeugbereich – Einzug in den Alltag der Bevölkerung findet.“ Es sollten ihrer Meinung nach bei der Fahrzeugauswahl Kosten und Nutzen berücksichtigt werden und Elektro-Fahrzeuge nur dort zum Einsatz kommen, wo sie sinvoll betrieben werden können. Die Infrastruktur und das Bewusstsein für elektrisch betriebene Fahrzeuge sind noch nicht da, wo sie sein sollten – interessante Ansicht, wie wir finden.

Die Elektromobilität steht daher auch nicht im Mittelpunkt des WOMO – Wohnen und Mobilität Forschungskonzepts. Sie bildet einen Baustein des gesamten Projekts, denn Mobilität soll aus Sicht des Forschungsteams nicht auf die Frage der Technologie beschränkt sein. Vielmehr geht es darum, eine Vielzahl alternativer Fortbewegungsmodelle zur Verfügung zu stellen, die Mobilität so ermöglichen, wie sie die BewohnerInnen jeweils benötigen – ob Pakettransport mit dem (E-)Lastenrad, privates Carsharing mit den NachbarInnen oder das Bereitstellen von Mobilitätszubehör (z.B. Radanhänger für Kinder).

… über private sharing-konzepte unter bewohnerInnen

„Wenn sich BewohnerInnen und NachbarInnen untereinander Fahrzeuge, Räder, Werkzeug etc. teilen, ist das sehr unterstützenswert“. Eine gute Nachbarschaft, gegenseitiges Kennenlernen und Vernetzen sind dafür eine wichtige Voraussetzung, aber gleichermaßen auch Ergebnis von privaten Sharing-Initiativen. Auch einige Start-Up´s haben sich dem Thema gewidmet und so arbeitet raum & kommunikation GmbH in seinen Projekten beispielsweise mit der Nachbarschaftsplattform fragenebenan.com zusammen. Dieses „Vernetzen und Austauschen habe ja auch schon früher stattgefunden“ nur macht man sich jetzt die Vorteile der Technik zu Nutze. Wichtig ist am Ende des Tages, dass ein Nachbarschaftsgefüge entsteht und die BewohnerInnen eines Wohnquartiers dieses Angebot wahrnehmen – unabhängig davon, ob dies mittels eines organisierten Mobilitäts-Kiosks oder privater Initiativen geschieht.

… aussichten und anwendung des womo – wohnen und mobilität forschungskonzeptes

Nach intensiven Forschungstätigkeiten möchten die Projektpartner raum & kommunikation und Sprit Design die Projektergebnisse nun in die Praxis bringen. Aktuell laufen intensive Gespräche zu Pilotprojekten mit Bauträgern und unterschiedlichsten Akteuren. Man sei „hoch erfreut“, dass die Resonanz auf das WOMO Forschungskonzept so groß sei. Lang blickt in die Zukunft und so kann sich das Projektkonsortium durchaus auch vorstellen, ein Franchise-System z.B. für den Mobilitäts-Kiosk aufzubauen. Die Vision von WOMO besteht in der Idee einer Mobilitätsplattform – ein Unternehmen, das unabhängig vom Anbieter die Mobilitätslösungen unterschiedlicher Betreiber bündelt und vertreibt. Noch liegt der Fokus auf neuen Stadtteilen, aber die WOMO-Ideen könnten auch für bestehende Stadtteile adaptiert werden.

Anne Lang sieht das WOMO – Wohnen und Mobilität Forschungskonzept „am Puls der Zeit“ angekommen und freut sich schon sehr auf die Umsetzung. Es wird spannend sein zu beobachten, ob und wie die Shop-in-Shop Lösung eines Mobilitäts-Kiosks von der Bevölkerung angenommen wird. Mit diesem Kiosk sollen Berührungsängste genommen und auch jene angesprochen werden, die mit alternativen Mobilitätsangeboten ansonsten nicht unbedingt in Kontakt kommen, um somit „alle anzusprechen“.Wohnen und Mobilität – wenn es nach raum & kommunikation GmbH geht, sind diese Begriffe schon bald nicht mehr getrennt voneinander zu betrachten.
Beim Forschungsprojekt WOMO – Wohnen und Mobilität handelt es sich um ein Sondierungsprojekt, gefördert durch das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie im Rahmen der FTI Initiative Mobilität der Zukunft – Personenmobilität innovativ gestalten.

denk weiter.

 

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